Eternit und Asbest-Dach: Solar installieren oder erst sanieren?

Asbest in Schweizer Dächern: Die Fakten

Asbest wurde in der Schweiz bis 1990 in zahlreichen Bauprodukten verwendet, darunter Faserzement-Dachplatten der Marke Eternit. Zwischen 1960 und 1990 wurden hunderttausende Schweizer Dächer mit asbesthaltigen Eternitplatten eingedeckt. Seit dem 1. März 1990 ist die Verwendung von Asbest in der Schweiz verboten, aber die bestehenden Dächer dürfen weiterbetrieben werden – solange sie nicht bearbeitet werden.

Das Problem: Asbestfasern sind extrem gesundheitsgefährdend. Wenn asbesthaltige Materialien bearbeitet, gebrochen oder beschädigt werden, können feinste Fasern freigesetzt werden, die bei Einatmung schwere Lungenerkrankungen bis hin zu Lungenkrebs (Mesotheliom) verursachen können. Die Latenzzeit beträgt 15–40 Jahre – Erkrankungen treten also oft erst Jahrzehnte nach der Exposition auf.

Für Hauseigentümer bedeutet dies: Auf einem asbesthaltigen Dach darf keine Solaranlage montiert werden, da die Montagearbeiten (Bohren, Schrauben, Begehen) Asbestfasern freisetzen können. Eine Solarinstallation ist erst nach der fachgerechten Sanierung des Daches möglich.

Wichtiger Hinweis

Bearbeiten Sie asbesthaltige Materialien niemals selbst! Die Entfernung darf ausschliesslich durch zertifizierte Sanierungsfirmen gemäss SUVA-Richtlinien erfolgen. Bereits das Reinigen mit einem Hochdruckreiniger kann gefährliche Fasern freisetzen.

Wie erkennen Sie Asbest?

Nicht jede Eternitplatte enthält Asbest. Eternit-Produkte, die nach 1990 hergestellt wurden, sind asbestfrei. Zur sicheren Identifikation gibt es mehrere Anhaltspunkte.

Baujahr: Wenn Ihr Gebäude zwischen 1960 und 1990 gebaut oder in diesem Zeitraum eingedeckt wurde, ist die Wahrscheinlichkeit für asbesthaltiges Material hoch. Gebäude vor 1960 können ebenfalls betroffen sein, allerdings war die Verwendung weniger verbreitet.

Aussehen: Asbesthaltige Eternitplatten sind typischerweise grau bis graugrün, haben eine leicht wellige oder glatte Oberfläche und zeigen mit zunehmendem Alter eine moosige, verwitterte Patina. Sie unterscheiden sich optisch kaum von asbestfreien Faserzementplatten – eine sichere Identifikation ist nur durch eine Laboranalyse möglich.

Laboranalyse: Für die definitive Bestimmung wird eine Materialprobe entnommen (Vorsicht: nur durch Fachperson!) und im Labor mittels Polarisationsmikroskopie oder Rasterelektronenmikroskopie analysiert. Die Kosten liegen bei CHF 100–200 pro Probe. Viele Sanierungsfirmen bieten die Probenahme und Analyse als Paket an.

Gebäudeunterlagen: Prüfen Sie die Bauunterlagen Ihres Hauses. Oft finden sich Angaben zum verwendeten Dacheindeckungsmaterial in der Baubeschreibung oder den Handwerkerrechnungen. Die Baubehörde Ihrer Gemeinde kann ebenfalls Auskunft geben.

Rechtliche Grundlagen in der Schweiz

Die SUVA (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt) hat verbindliche Richtlinien für den Umgang mit Asbest erlassen. Die wichtigsten Punkte für Hauseigentümer:

Es besteht keine generelle Sanierungspflicht für bestehende asbesthaltige Dächer, solange das Material intakt ist und nicht bearbeitet wird. Sobald jedoch Arbeiten am Dach durchgeführt werden – sei es eine Solarinstallation, eine Reparatur oder eine Neueindeckung – muss das asbesthaltige Material zuerst fachgerecht entfernt werden.

Die Entsorgung von asbesthaltigen Materialien ist meldepflichtig und darf nur auf zugelassenen Deponien erfolgen. Die Kosten für die Entsorgung sind im Sanierungspreis inbegriffen. In einigen Kantonen gibt es Förderbeiträge für die Asbestsanierung, insbesondere wenn sie mit energetischen Massnahmen (Dämmung, Solar) kombiniert wird.

Warum NICHT auf Asbest-Dächern montieren

Einige wenige Anbieter werben damit, Solaranlagen auf Asbestdächern installieren zu können – etwa durch ballastierte Systeme, die die Dachoberfläche nicht durchdringen. Davon ist dringend abzuraten, und zwar aus mehreren Gründen.

Erstens: Auch das Begehen eines asbesthaltigen Daches kann Fasern freisetzen, besonders bei verwitterten Platten. Jeder Tritt kann Mikrorisse verursachen, aus denen Fasern austreten. Die Montagearbeiter und späteren Wartungstechniker sind einem unnötigen Gesundheitsrisiko ausgesetzt.

Zweitens: Die Restlebensdauer eines asbesthaltigen Daches ist in der Regel begrenzt. Eternitplatten aus den 1960er–1980er Jahren haben ihre typische Lebensdauer von 30–50 Jahren bereits erreicht oder überschritten. Die Solaranlage (25–30 Jahre Lebensdauer) würde das Dach wahrscheinlich überdauern und müsste dann für die Dachsanierung komplett demontiert und später wieder montiert werden – doppelte Kosten.

Drittens: Im Schadensfall (Sturm, Hagel) können asbesthaltige Platten zerbrechen und Fasern freisetzen. Die Sanierung eines beschädigten Asbestdaches mit darüberliegender Solaranlage ist extrem aufwendig und teuer.

Kosten der Asbestsanierung

Die Kosten für eine fachgerechte Asbestsanierung setzen sich aus Demontage, Entsorgung und Neueindeckung zusammen.

PostenKosten pro m²EFH (150 m² Dach)
AsbestdemontageCHF 30–60CHF 4'500–9'000
EntsorgungCHF 10–20CHF 1'500–3'000
GerüstCHF 25–40CHF 3'750–6'000
NeueindeckungCHF 80–150CHF 12'000–22'500
Total SanierungCHF 145–270CHF 21'750–40'500
Solaranlage (10 kWp)CHF 18'000–25'000
Total kombiniertCHF 39'750–65'500

Die Kombination von Asbestsanierung und Solarinstallation spart Gerüstkosten und Koordinationsaufwand (ca. CHF 5'000–8'000 Ersparnis gegenüber getrennter Durchführung). Zusätzlich können Förderbeiträge für die Dämmung und die Solaranlage die Gesamtkosten um CHF 5'000–15'000 reduzieren.

Der Zeitfaktor: 1960–1990er Gebäude

Die zwischen 1960 und 1990 errichteten Gebäude mit Asbest-Eternitdächern stehen jetzt an einem kritischen Punkt: Die Dächer sind 35–65 Jahre alt und erreichen das Ende ihrer Lebensdauer. Die Verwitterung nimmt zu, Risse und Brüche häufen sich, und die Fasern werden zunehmend freigesetzt – auch ohne mechanische Beanspruchung.

Für Eigentümer dieser Gebäude ist jetzt der ideale Zeitpunkt für eine kombinierte Sanierung: Asbest entfernen, Dach dämmen, neu eindecken und Solaranlage installieren. Diese Gesamtsanierung bringt das Gebäude energetisch auf den neuesten Stand, eliminiert das Gesundheitsrisiko und erzeugt erneuerbaren Strom – alles in einem Arbeitsgang.

Die Investition rechnet sich: Die Energieeinsparungen durch Dämmung (CHF 1'000–2'000/Jahr) plus der Solarertrag (CHF 2'000–3'500/Jahr) amortisieren die Gesamtkosten in 12–18 Jahren. Danach profitieren Sie 15–20 Jahre von reinem Gewinn – plus Wertsteigerung der Immobilie und Komfortgewinn.

Förderung und steuerliche Abzüge

Für die kombinierte Asbestsanierung mit Solarinstallation stehen verschiedene Fördermittel zur Verfügung. Die EIV für die Solaranlage (CHF 3'000–4'000), kantonale Gebäudeprogramm-Beiträge für die Dämmung (CHF 2'000–6'000), und in einigen Kantonen spezielle Beiträge für die Asbestsanierung. Zusätzlich sind die gesamten Kosten als werterhaltende Investition steuerlich abzugsfähig.

Fazit

Auf einem Asbestdach darf und soll keine Solaranlage installiert werden. Die Sanierung ist der notwendige erste Schritt – und die ideale Gelegenheit, gleichzeitig eine Solaranlage zu integrieren. Die kombinierte Durchführung spart Kosten, Zeit und Nerven. Handeln Sie jetzt: Die Dächer aus der Asbest-Ära haben ihre Lebensdauer erreicht.

ST

SM Tech Redaktion

Fachleute der Solarbranche mit langjähriger Erfahrung in der Schweiz.

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