Dachsanierung und Solar kombinieren: So sparen Sie doppelt

Warum die gleichzeitige Umsetzung 15–20% Kosten spart und wie Sie das Projekt optimal planen.

📋 Inhaltsverzeichnis

  1. Die Synergie: Warum kombinieren?
  2. Kostenersparnis im Detail
  3. Was kommt zuerst?
  4. Dämmung und Solar
  5. Neue Dacheindeckung und Indach-PV
  6. Baubewilligung
  7. Förderung und Subventionen
  8. Projektplanung und Zeitplan
  9. Fazit

Die Synergie: Warum kombinieren?

Eine Dachsanierung und eine Solarinstallation haben einen entscheidenden gemeinsamen Nenner: Beide erfordern Zugang zum Dach, Gerüststellung und fachmännische Arbeit in der Höhe. Werden beide Massnahmen getrennt durchgeführt, fallen Gerüstkosten, Anfahrtskosten und Planungsaufwand doppelt an. Die Kombination beider Projekte spart daher nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Unannehmlichkeiten.

Der wirtschaftliche Vorteil der Kombination liegt bei 15–20% gegenüber getrennter Durchführung. Bei einem typischen Einfamilienhaus mit Dachsanierungskosten von CHF 40'000–60'000 und Solarinstallationskosten von CHF 20'000–35'000 bedeutet das eine Ersparnis von CHF 10'000–15'000. Diese Summe resultiert hauptsächlich aus der einmaligen Gerüststellung, der koordinierten Logistik und der gemeinsamen Bauleitung.

Neben den direkten Kosteneinsparungen gibt es weitere Vorteile. Die Bewohner müssen nur eine Bauphase überstehen statt zwei. Die Dämmung wird optimal auf die Solaranlage abgestimmt. Und nicht zuletzt erhält das Dach eine neue, langlebige Eindeckung, die die gesamte Lebensdauer der Solaranlage (25–30 Jahre) überdauern wird – ein häufiges Problem bei Solaranlagen auf älteren Dächern wird so von vornherein vermieden.

In der Schweiz sanieren jährlich rund 30'000 Haushalte ihr Dach. Von diesen installieren aktuell nur etwa 20–25% gleichzeitig eine Solaranlage – ein enormes ungenutztes Potenzial. Viele Hauseigentümer sind sich der Synergiemöglichkeiten schlicht nicht bewusst oder scheuen die vermeintlich hohe Gesamtinvestition.

Kostenersparnis im Detail

Die Einsparungen bei der kombinierten Durchführung setzen sich aus mehreren Posten zusammen.

Gerüstkosten (CHF 3'000–6'000 Ersparnis): Eine Gerüststellung für ein typisches Einfamilienhaus kostet CHF 4'000–8'000. Bei getrennter Durchführung würde dieses Gerüst zweimal aufgebaut und abgebaut. Die Kombination spart eine komplette Gerüststellung ein – der grösste Einzelposten der Ersparnis.

Dachdecker-Koordination (CHF 2'000–4'000 Ersparnis): Bei einer getrennten Solarinstallation auf einem neuen Dach müsste der Solarteur Dachziegel entfernen, Montageschienen anbringen und Ziegel wieder einsetzen. Bei der kombinierten Durchführung werden die Montageelemente direkt während der Neueindeckung integriert, was Arbeitszeit und Materialverschleiss spart.

Indach-Integration (CHF 3'000–5'000 Ersparnis): Bei einer Indach-Anlage ersetzen die Solarmodule die Dachziegel in einem bestimmten Bereich. Wenn dies im Rahmen der Neueindeckung geschieht, entfallen die Kosten für die Ziegel in diesem Bereich – eine direkte Materialeinsparung. Pro Quadratmeter Modulfläche sparen Sie CHF 30–60 an Ziegelkosten.

Planung und Bauleitung (CHF 1'000–2'000 Ersparnis): Ein gemeinsamer Bauleiter koordiniert beide Gewerke, was Abstimmungsaufwand und Planungskosten reduziert. Auch die Baubewilligung kann in vielen Kantonen als ein Gesuch eingereicht werden.

PostenGetrenntKombiniertErsparnis
GerüstCHF 12'000CHF 7'000CHF 5'000
Dachdecker MehraufwandCHF 4'000CHF 1'000CHF 3'000
Ziegel (Indach-Bereich)CHF 3'500CHF 0CHF 3'500
Planung/BauleitungCHF 4'000CHF 2'500CHF 1'500
TotalCHF 23'500CHF 10'500CHF 13'000

Was kommt zuerst?

Bei der kombinierten Durchführung stellt sich die Frage nach der Reihenfolge. Die Antwort ist klar: Zuerst wird das Dach saniert, dann die Solaranlage installiert. Der Ablauf sieht typischerweise so aus:

Phase 1 – Abbruch und Vorbereitung: Die alte Dacheindeckung wird entfernt, das Unterdach (Unterspannbahn, Schalung) geprüft und bei Bedarf erneuert. Gleichzeitig werden die Montagepunkte für die Solaranlage in die Dachkonstruktion integriert – ein entscheidender Schritt, der bei getrennter Durchführung deutlich aufwendiger wäre.

Phase 2 – Dämmung: Falls eine Aufsparrendämmung geplant ist, wird diese aufgebracht. Die Dämmung verbessert nicht nur den Energiekennwert des Gebäudes, sondern kann auch als zusätzliche Montagebasis für die Solaranlage dienen.

Phase 3 – Neueindeckung: Das Dach wird neu eingedeckt, wobei im Bereich der Solaranlage entweder spezielle Dachziegel mit integrierten Modulhaltern verwendet werden (Aufdach) oder die Module direkt als Dacheindeckung dienen (Indach). Die Kabel werden unter der Eindeckung verlegt.

Phase 4 – Solarmontage: Die Module werden auf die vorbereiteten Montageelemente aufgesetzt, verkabelt und an den Wechselrichter angeschlossen. Bei Indach-Systemen sind die Module bereits in Phase 3 integriert worden. Die elektrische Installation inklusive Wechselrichter und Zählerkasten wird fertiggestellt.

Phase 5 – Abnahme: Dach und Solaranlage werden gemeinsam abgenommen. Die Dichtigkeitsprüfung des Daches und die elektrische Abnahme der Solaranlage erfolgen koordiniert.

Dämmung und Solar

Die Kombination von Dachdämmung und Solaranlage ist energetisch besonders sinnvoll. Die Dämmung reduziert den Heizenergiebedarf, die Solaranlage liefert erneuerbaren Strom – zusammen können sie den CO2-Ausstoss eines Gebäudes um 50–80% senken.

Besonders interessant ist die Kombination mit einer Wärmepumpe: Die gedämmte Gebäudehülle reduziert den Heizbedarf, die Wärmepumpe deckt den verbleibenden Bedarf mit Strom, und die Solaranlage liefert einen Teil dieses Stroms. Dieses Gesamtkonzept wird auch als «Effizienzkette» bezeichnet und ist der Grundpfeiler der Schweizer Energiestrategie.

Bei der Planung sollte die Dämmstärke so gewählt werden, dass die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) oder – noch besser – der MuKEn (Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich) erfüllt werden. In vielen Kantonen sind U-Werte von 0.20 W/m²K oder besser für das Dach vorgeschrieben, was einer Dämmstärke von 18–24 cm entspricht (je nach Dämmmaterial).

Neue Dacheindeckung und Indach-PV

Eine Dachsanierung bietet die ideale Gelegenheit für eine Indach-Solaranlage. Bei diesem System ersetzen die Solarmodule die Dachziegel in einem Teil des Daches, was eine optisch besonders ansprechende Lösung ergibt. Die Module liegen bündig in der Dachfläche – von unten ist kaum erkennbar, dass es sich um eine Solaranlage handelt.

Die Indach-Lösung hat bei Neueindeckung gleich mehrere Vorteile: Die Dachziegel im Modulbereich werden gespart (CHF 30–60/m²), die Wasserdichtigkeit wird durch spezielle Anschlussbleche sichergestellt, und die Module sind besser vor Wind und Hagel geschützt als bei einer Aufdach-Montage. Die Kabelverlegung unter der Dachfläche ist bei Neueindeckung besonders einfach.

Allerdings hat die Indach-Lösung auch Nachteile: Die Belüftung der Module ist schlechter als bei Aufdach-Systemen, was zu höheren Betriebstemperaturen und damit 3–5% weniger Ertrag führt. Auch der Modulaustausch im Servicefall ist aufwendiger. Diese Nachteile werden jedoch durch die ästhetischen Vorteile und die gesparten Dachziegelkosten oft mehr als kompensiert.

Baubewilligung

In der Schweiz sind Solaranlagen auf Dächern seit 2014 bundesrechtlich im vereinfachten Meldeverfahren bewilligungsfrei, sofern sie genügend an die Dachfläche angepasst sind (nicht überstehend, keine grelle Farbe) und das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht. Für die Dachsanierung selbst gelten die kantonalen Bauvorschriften.

Bei der kombinierten Durchführung empfiehlt es sich, beide Massnahmen in einem gemeinsamen Gesuch bei der Gemeinde zu melden. Das spart Verwaltungsaufwand und ermöglicht eine koordinierte Prüfung. In vielen Gemeinden reicht ein einfaches Meldeformular, das innerhalb von 30 Tagen als genehmigt gilt, wenn kein Einspruch erfolgt.

Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist die Situation komplexer. Hier ist eine ordentliche Baubewilligung erforderlich, und die kantonale Denkmalpflege wird konsultiert. Indach-Anlagen oder Solarziegel haben in solchen Fällen bessere Chancen auf Bewilligung als Aufdach-Anlagen, da sie sich besser in das historische Erscheinungsbild einfügen.

Förderung und Subventionen

Für die Kombination von Dachsanierung und Solaranlage stehen in der Schweiz verschiedene Fördermittel zur Verfügung. Die wichtigsten sind die Einmalvergütung (EIV) für die Solaranlage und die kantonalen Gebäudeprogramm-Beiträge für die Dämmung.

Die EIV für Solaranlagen ab 2 kWp beträgt aktuell einen Grundbeitrag plus einen Leistungsbeitrag pro kWp. Für eine typische 10-kWp-Anlage liegt die EIV bei rund CHF 3'000–4'000. Der Antrag wird über die Pronovo AG abgewickelt und muss vor Baubeginn gestellt werden.

Die kantonalen Gebäudeprogramme fördern die Dachdämmung mit Beiträgen, die je nach Kanton zwischen CHF 40 und CHF 80 pro Quadratmeter gedämmter Fläche liegen. Die genauen Bedingungen und Beitragshöhen variieren von Kanton zu Kanton. Einige Kantone bieten Bonusbeiträge, wenn die Dämmung zusammen mit einer Solaranlage realisiert wird.

Zusätzlich können die Investitionen in Solaranlage und energetische Sanierung in vielen Kantonen von den Steuern abgezogen werden. Die Solaranlage gilt als werterhaltend und kann im Jahr der Installation vollständig abgezogen werden. Die Dämmung ist ebenfalls steuerlich abzugsfähig. Bei hohen Investitionssummen kann es sinnvoll sein, die Massnahmen auf zwei Steuerperioden zu verteilen.

Projektplanung und Zeitplan

Ein typisches Kombiprojekt für ein Einfamilienhaus dauert von der ersten Planung bis zur Fertigstellung etwa 4–6 Monate. Der Zeitplan gliedert sich wie folgt:

Monat 1–2: Planung und Offerten. Holen Sie mindestens drei Offerten ein – idealerweise von Firmen, die sowohl Dachsanierung als auch Solarinstallation anbieten oder eng mit Partnerfirmen zusammenarbeiten. Ein Generalunternehmer, der beide Gewerke koordiniert, vereinfacht die Abwicklung erheblich.

Monat 2–3: Baubewilligung und Fördergesuche. Reichen Sie das Meldeformular bei der Gemeinde und die Fördergesuche bei Pronovo (Solaranlage) und dem kantonalen Gebäudeprogramm (Dämmung) ein. Warten Sie die Bewilligung ab, bevor Sie den Auftrag erteilen.

Monat 3–4: Materialbestellung und Vorbereitung. Nach Auftragserteilung werden Dachziegel, Dämmmaterial und Solarmodule bestellt. Die Lieferzeiten betragen typischerweise 2–6 Wochen.

Monat 4–5: Bauphase. Die eigentliche Bauphase für Dachsanierung plus Solar dauert bei einem Einfamilienhaus 2–4 Wochen. Bei grossen Mehrfamilienhäusern kann sie 4–8 Wochen dauern. Die ideale Bauzeit ist Frühling oder Sommer, wenn stabile Wetterverhältnisse die Arbeiten begünstigen.

Monat 5–6: Abnahme und Inbetriebnahme. Nach Fertigstellung erfolgen die Dach- und Elektroabnahme, die Inbetriebnahme der Solaranlage und die Anmeldung beim Energieversorger. Die erste Solarstromproduktion beginnt sofort nach der Freigabe.

Praxis-Tipp

Planen Sie die Kombination frühzeitig: Wenn Sie wissen, dass Ihr Dach in den nächsten 5 Jahren saniert werden muss, beginnen Sie jetzt mit der Evaluation. So können Sie den optimalen Zeitpunkt wählen und von eventuell auslaufenden Förderprogrammen profitieren.

Fazit

Die Kombination von Dachsanierung und Solarinstallation ist in den allermeisten Fällen die wirtschaftlich und logistisch beste Lösung. Die Kostenersparnis von 15–20% gegenüber getrennter Durchführung, die Kürzere Gesamtbauzeit und die optimale Integration der Solaranlage in das neue Dach sprechen klar für diese Strategie.

Unser Rat: Wenn Sie eine Dachsanierung planen, holen Sie immer auch eine Offerte für eine Solaranlage ein – und umgekehrt. Suchen Sie idealerweise einen Anbieter, der beide Gewerke aus einer Hand koordinieren kann. So erhalten Sie das beste Ergebnis zum besten Preis.

ST

SM Tech Redaktion

Fachleute der Solarbranche mit langjähriger Erfahrung in der Schweiz.

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